Aktives, nachhaltiges Phrasendreschen

8 05 2008

Wie schön, dass der Mensch fähig ist, zu sprechen. “Langage” nannte das der berühmte Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure. Warum auch immer. Das u hat er vielleicht vergessen und uns deswegen ein neues Fachwort beschert… er war halt Wissenschaftler. Und dazu noch einer, der sich freiwillig mit Linguistik beschäftigte. Solche Menschen ekeln mich geradezu an…

Glücklicherweise sind die Fieberträume des Saussure nicht Thema dieses Artikels. Es geht vielmehr um unsere typisch deutsche Angewohnheit, im Bewusstsein unserer eigenen Wichtigkeit sofort und als hätte man einen Schalter umgelegt hochgestochen und sinnentleert daherzufaseln, sobald wir um ein Statement gebeten werden.

Haben Sie schon mal zu Ihrem Geschlechtspartner gesagt: “Ich trage mich mit dem Gedanken, unsere zwischenmenschliche Beziehung am heutigen Abend auf effektive Weise nachhaltig aktiv zu gestalten”? Oder beim Schlachter: “Zur Befriedigung eines aus dem Instinkt erwachsenen menschlichen Bedürfnisses und zur Ankurbelung und nicht zuletzt auch Aufrechterhaltung des Stoffwechsels, der mich und auch Sie am Leben erhält und in Zukunft erhalten muss, soll, darf und kann, erwerbe ich hiermit zweihundertundneunzig Gramm feinsten Hackfleisches, das vor einiger Zeit aus sowohl Schweine- als auch Rindfleisch zusammengeführt worden ist.” Den Rest des Beitrags lesen »




Herzlichen Glückwunsch… Die längste Friedensperiode der deutschen Geschichte!

8 05 2008

Ihnen ist bestimmt auch so friedlich zu Mute wie mir, nicht wahr? Das liegt daran, dass wir seit Adolfs Aktionismus der turbulenten Expansionspolitik den Rücken gekehrt haben. Sowas kostet ja Geld und auch Nerven.

Diese geradezu typisch deutsche Friedfertigkeit äußert sich auch in der immer wieder geäußerten Behauptung, wir würden ja nun in der friedlichsten Zeit seit Menschengedenken leben. Das ist natürlich wie überall sonst auch eine Frage der Betrachtungsweise: Nur weil heutzutage traditionelle Kriege nur noch fünf Prozent aller bewaffneten Konflikte ausmachen, heißt das ja nicht, dass allen Menschen auf einmal Engelsflügel gewachsen sind.

Im Internet und auch im wirklichen Leben trifft man auch häufig auf die damit zusammenhängende Behauptung, wir hätten ja das Glück, in der längsten Friedensperiode der deutschen Geschichte zu leben. Das ist, mit Verlaub, nicht ganz richtig. Beziehungsweise erst seit heute richtig. Denn: Die längste Friedensperiode der deutschen Geschichte war von 1555 (das war der Augsburger Religionsfrieden - Kurzform: Katholiken und Protestanten hatten sich gegenseitig abgeschlachtet, damit war jetzt Schluss) bis 1618 (Beginn des Dreißigjährigen Krieges - Kurzform: Katholiken und Protestanten beschlossen, sich wieder gegenseitig abzuschlachten). Dazwischen lagen 63 Jahre.

Wie wir ja wissen, endete der Weltkrieg (Runde zwei) am 8.5.1945 des Nachts. Damit liegen zwischen dem heutigen Tag und dem Ende des Krieges genau 63 Jahre. Feiern Sie also nun, liebe Deutschinnen und Deutsche, dass wir es geschafft haben, unseren Friedensrekord zu übertreffen! Wir sind die friedlichste deutsche Generation seit 1555! Wir sollten uns dafür selbst einen Orden verleihen, zum Beispiel das friedfertige Eiserne Kreuz. Oder so.

Da wir den Rekord ja nun gebrochen haben, können wir wieder irgendwem den Krieg erklären. Wer bietet sich denn da an? Die Franzosen? Das wäre langweilig und wenig innovativ. Die Briten? Hatten wir auch schon. Und da verlieren wir auch immer. Die Polen? Das wäre doch mal eine Möglichkeit, die scheinen das ja ohnehin schon seit Jahren zu erwarten…

Wobei man ja sagen muss, dass es politisch sinnvoller wäre, in Liechtenstein einzumarschieren, um “mit diesem Steuerrrrparrradies endgültig abzurrrrechnen!!!!”, wie Adolf es ausdrücken würde, wenn er denn noch könnte. Er kann ja aber nicht mehr.

Wen nehmen wir denn dann als Führer? Die Merkel…?!

Vielleicht erobern wir Liechtenstein doch lieber auf anderem Wege…

Unwort des Tages: Friedensperiode.




Unwort Videocast #17

7 05 2008

Sendung 17: Kopulierende Nachbarn und ein schlechter Witz




Bizarre Grüße aus der Heraldik

30 04 2008

Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Überhaupt entwickelt jede Berufsgruppe, die etwas auf sich hält, seien es Maurer oder Buchhalter, mit der Zeit eine eigene Sprache, die mit möglichst vielen unverständlichen Fachbegriffen durchtränkt wird, damit auch ja niemand Fremdes etwas versteht.

Heute am sehr frühen Morgen wurde ich in der Universität mit dem Phänomen der Heraldik konfrontiert. Heraldik, für die 99%, die es nicht wissen: Das ist die Wissenschaft, die sich mit Wappen beschäftigt. Wohlgemerkt mit Wappen und nicht mit Fahnen oder gar Flaggen.

Die Heraldik ist genauso pervers und verkehrt herum wie die Mathematik. Ich erinnere mich noch an den Matheunterricht, in dem eigentlich immer gegen den Uhrzeigersinn gezählt und nummeriert wurde, weil das ja mathematisch so üblich sei (man möge mir widersprechen, falls nötig - die Mathematik ist nicht mein bevorzugter Lebensraum). Den Rest des Beitrags lesen »




Brotsuppe kochen mit Riccarda

28 04 2008

Da ging ich nun heute morgen um zwölf mal wieder frisch ausgeschlafen und halbnackt auf den Balkon, um mir die erste Brise frische Luft durch die Nasennebenhöhlen pusten zu lassen. Immerhin haben wir ja dieser Tage gefühlte 25 Grad,. Und wenn man schon zum Spazierengehen zu faul ist, kann man ja wenigstens vor dem Frühstück zwei Minuten auf dem Balkon verbringen.

Ich ging also beschwingt auf den Balkon und schaute mich um. Sah die Sonne, was mich freute und erstaunte zugleich; sah rollende Rentner, was mich peripher tangierte; sah tumbe Tauben, was mich nur deshalb nicht aufregte, weil ich dazu zu müde war. Das obligatorische Killer-Einhörnchen hatte wohl Urlaub, jedenfalls habe ich es seit Wochen nicht gesehen. Oder es ist umgezogen.
Falls ja, hat es relativ schnell einen Nachmieter gefunden. Ich wurde nämlich erfreut durch die unerwartete Anwesenheit eines recht fettleibigen Nagetiers. Ein graues Nagetier mit erstaunlich langem Schwanz. Kurz: Riccarda, die Ratte. Riccarda schaute mich mindestens genau so blöde an wie ich sie. Ich habe sie anscheinend beim Mittagessen kochen gestört, denn auf dem Rasen liegen einige Brotreste, die von Intelligenz vergewaltigte Nachbarn da wohl hingeworfen haben müssen. Für die Tauben vielleicht?! Wie auch immer: Selten bescheuerte Idee. Den Rest des Beitrags lesen »




Und alle rennen sie hinter diesem blöden Lederteil her…

24 04 2008

Ich bin schlank. Noch. Das heißt aber nicht, dass ich Sport mag. Oder Bewegung an sich. Ich bin sozusagen eher faul. Mein letzter Besuch in einer Turnhalle liegt ein paar Jahre zurück, und er war wahrscheinlich nicht freiwillig.

Nun gibt es ja die Möglichkeit, anderen Leuten beim sporteln zuzuschauen, entweder im echten Leben oder - bequemer - vor der Schattenmeibe, Verzeihung, der Mattscheibe. Da kann man dann Frauen in kurzen Röckchen dabei zusehen, wie sie laut stöhnend über einen linierten Platz hechten und sich dabei mit beeindruckender Aggressivität und durchlöcherten Bratpfannen einen leidensfähigen Ball zuspielen. Oder mann kann unglaublich große Männer dabei beobachten, wie sie in einer kleinen Halle einen riesigen Lederball vor sich her prellen, sich zwar ständig behakeln, jedoch aus unerfindlichen Gründen kaum berühren, um den voluminösen Ball dann in einen Korb zu werfen, der an der Wand hängt. Vielleicht findet man auch eine ganze Herde von Leuten auf einem riesigen Rasen interessant, die wie geistesgestört hinter einem unschuldigen Lederball hinterherlaufen, immer bestrebt, diesen sowohl in ihren Besitz zu bringen als auch in einen der Kästen zu befördern, die an beiden Seiten des Rasens aufgestellt sind und von zwei Männekens bewacht werden, die aus unerfindlichen Gründen die einzigen sind, die nicht hinter dem Ball hinterherlaufen. Und die aus noch unerfindlicheren Gründen die einzigen sind, die den Ball einfach in die Hand nehmen. Was ja eigentlich das Logischste wäre, wenn man etwas Bestimmtes damit vorhat. Den Rest des Beitrags lesen »




Tamara und das Fegefeuer oder Der ÖPNV in Schleswig-Holstein

17 04 2008

Sie denken bestimmt, dass Schleswig-Holstein ein kleines Land ist.

Das ist zwar auch korrekt, wenn man es mit Mali oder der Ukraine vergleicht. Das Reisen, liebe Leser, ist allerdings in Schleswig-Holstein genau so interessant, herausfordernd und zeitraubend wie in den beiden eben genannten Ländern. Es ist jedoch deutlich teurer als dort.

In Schleswig-Holstein gibt es zwar Bahnstrecken, die auch sogar schon teilweise elektrifiziert sind. Diese verlaufen jedoch in der Regel nur von Nord nach Süd (oder auch andersherum, denn ob man damals mit dem Bau im Norden oder im Süden angefangen hat, weiß ich gerade nicht). Wenn Sie also beispielsweise von Heide (Westküste) nach Lübeck (Ostküste) fahren wollen, müssen Sie in den Zug nach Hamburg Altona steigen, dort mittels S-Bahn zu einem anderen Bahnhof fahren, um von dort aus dann mit dem Zug nach Lübeck zu gelangen. Das dauert ziemlich genau drei Stunden. Mit dem Auto braucht man zwei Stunden. Wie teuer eine Bahnfahrt von Heide nach Lübeck ist, sagt mir die Homepage der Bahn erst gar nicht. Schätzwert: 25 Euro. Den Rest des Beitrags lesen »




Microsofts gewalttätige Geschäftspolitik

14 04 2008

Wir wissen ja schon seit längerem, dass Microsoft sich illegalerweise Vorteile verschafft, oder so. Aber jetzt dem unschuldigen Kollaps auch noch mit Microsofts wirksamster Waffe, dem Betriebssystem Windows, zu drohen, geht doch wirklich zu weit.

Wer ist eigentlich dieser Kollaps??!! Der neue Chef von Apple?




Zeugen, Klempner und Roxanne. Und ich mittendrin. Guten Morgen.

6 04 2008

Nach sechs Wochen unerquicklicher Arbeit an erstaunlich langweiligen Hausarbeiten freut sich der handelsübliche Student, seine Semesterferien so begehen zu können, wie der Rest Deutschlands denkt, dass er es ohnehin tut: Emsig an der Matratze horchend.

Um so unerfreulicher ist es dann, wenn das Schicksal wie ein Dozent auf Droge den Rotstift zückt und die schöngeistig-schlummernden Pläne des Studenten effektvoll durchkreuzt.

So geschehen am letzten Donnerstag. Stud.phil. B. J. Kruse wälzt sich gerade in morgendlichen sittenwidrigen Träumen hin und her, da klingelt es um 9.03 Uhr an der Tür.

Ich schlurfe also hin, öffne selbige und starre entnervt in den leicht modrig riechenden Hausflur, in der Erwartung, olfaktorisch ähnliche Zeugen Jehovas zu entdecken, die mich vom morgigen Ende der Welt überzeugen wollen (in morgendlicher Stimmung bin ich dem Ende der Welt gegenüber übrigens stets aufgeschlossener).

Die Zeugen Jehoavs tragen heute aber ihre Ausgehuniform, denke ich noch, als es auf einmal spricht: “Guten Morgen, Firma techem, ich komme, weil blah … Aushang im Treppenhaus … Installierung eines Zählers … blah … Keller … und den Wasserhahn jetzt mal aufdrehen.” Den Rest des Beitrags lesen »




Schreyls Gag am Abend

5 04 2008

DSDS. Sprach der Moderator, der Marco, der Schreyl, am Samstagabend zu dem vom geballten Jury-Lob und dem inszenierten frenetischen Applaus des Studiopublikums bedröppelten Thomas Godoj, nachdem dieser auf eine sinnentleerte Frage des Moderators nur “Ähh, öhh, ja….” geantwortet hatte:

“Das Schöne ist ja, dass du viel viel besser singen kannst als sprechen!”

Und Millionen von Menschen schauen zu.

Ich sage ja: Nehmt dem Schreyl seine Moderationskarten weg, und er wird noch richtig unterhaltsam auf seine alten Tage.

Unwort des Tages: Busenwunder.