Ich bin ein friedliebender Mensch, habe noch niemanden umgebracht und habe es auch nicht vor. Ich bin zwar kein Vegetarier, aber auch kein Schlachthofmitarbeiter; ich bin ein friedlicher, leicht linksorientierter Student mit einem äußerst beschränkten, weil nicht vorhandenen Vorstrafenregister.
Gelegentlich neige ich jedoch zur Aggression. Nicht meinen Mitmenschen gegenüber, denn das wäre ja grob unchristlich; nein, es gibt andere Wesen, die mich gelegentlich zur Weißglut treiben.
Die Rede ist von Tauben. Und damit meine ich, um das mal ganz klar zu stellen, keine gehörlosen Menschen, sondern gehirnlose Vögel.
Die machen mich aggressiv. Wirklich. Beim bloßen Anblick von grauem Gefieder packt es mich und ich sehe rot…
Zum Hintergrund: Ich wohne in einem typischen Hallo-ich-bin-der-Architekt-und-ich-bin-äußerst-unkreativ-70er-Jahre-Plattenbau. Der Blick von meinem Balkon allerdings schweift in grenzenlose Grünanlagen mit japanischen Zierkirschen, teutonischen Birken und einem gar heimeligen kleinen See. Nagut, sagen wir: Tümpel (Biologen unterscheiden auch da auf äußerst militante Art und Weise). Diese unglaubliche Idylle, die von der nachmittäglichen Sonne an jedem neuen, duftenden Tage erneut in goldnes Licht getaucht wird, wird gestört. Nicht durch herumrollende Senioren oder sonstige Randgruppen - nein, die Tierwelt gibt sich alle Mühe, die städtische Geruhsamkeit zu eliminieren.
Da sind zum Beispiel zwei wirklich militante Eichhörnchen, die vor nichts und niemandem Respekt zu haben scheinen. Kleines Beispiel gefällig?
Eines Morgens (12.43 Uhr) betritt der Autor dieses Tatsachenberichtes frohen Mutes seinen Balkon, um den Tag standesgemäß mit einer Rezitation eines schönen lateinischen Distichons (oder auch zweier) zu begrüßen. Der Blick schweift an der japanischen Zierkirsche und den martialischen Birken vorbei auf den Rasen und verharrt erstaunt auf einem nicht minder erstaunt dreinblickenden Nager mit beeindruckend großem Schwanz.
Nun müssen Sie aber wirklich Ihre Konnotationen im Griff haben! Dies ist ein jugendfreies Blog…
Ich spreche von einem Eichhörnchen. Dieses Eichhörnchen jedenfalls liefert sich direkt vor meinem Balkon ein Gefecht mit einem Artgenossen. Meine Versuche, mit akustischen Mitteln Frieden herbeizuführen, werden geflissentlich ignoriert. Doch nicht nur das: Irgendwann gehen die zwei militanten Nager gemeinsam zum Angriff über und stürmen zugleich mit einer unglaublichen Geschwindkeit auf meinen Balkon zu - ich flüchte in meine sichere Wohnung und schließe in rekordverdächtiger Zeit die Balkontür hinter mir. Manchmal ist Rückzug einfach am klügsten.
Da wären auch noch die anderen üblichen Verdächtigen: des Nachts randalierende Igel, ebenfalls des Nachts jaulende Nachbarshunde, die mich Meckernden durch militantes Zähnefletschen von meinem Balkon vertreiben (und das ist eigentlich gar nicht so einfach, das müssen Sie mir glauben!), friedlich aussehende, aber unglaublich hungrige Monsterratten, sogenannte Giganto-Schnaken, die gelegentlich fies grinsend durch die offene Tür hineingeschnakt kommen, just for the fun of it, und so weiter und so fort.
Das Schlimmste allerdings sind Tauben. Stellen Sie sich vor, sie gehen in der festen Absicht, etwas für Ihre Bildung und Ihre Figur zu tun, mit einem guten Buch und dreieinhalb Tonnen Schokolade bewaffnet auf den Balkon und das erste, was Sie vernehmen, ist ein vorwurfsvolles “Gurrr?!” !
Selbst heftigstes Armwedeln konnte das grausame graue Gevögel nicht aus meinem Einzugsbereich vertreiben! Händeklatschen führte nur zu neugierigen Blicken und dazu, dass sich wie auf ein Signal alle Tauben aus einem Umkreis von 50 Metern - und das sind viele! - in Bewegung setzten, um zu schauen, welcher Homo sapiens sapiens denn nun wieder versucht, sie zu vertreiben?
Von Tauben lächerlich gemacht! O welche Schmach und Schande!
Da diese grauen Monster mit der markanten Stimmlage Dauergäste vor meinem Fenster sind (ich wohne nämlich im Erdgeschoss), habe ich inzwischen eine echte Tauben-Antipathie entwickelt. Und ich bin nicht allein!
Mein Vater, seines Zeichens Chirurg und demzufolge genau so friedliebend wie ich - er kann nämlich auch kein Blut sehen - dieser mein Vater also überraschte mich auch schon mit der Aussage, er hätte gelegentlich gern ein Luftgewehr, um die Täubchen in seinem Garten zum Verstummen zu bringen…
Was hilft also gegen guturales Gegurre im gepflegten Garten? Elektrische Zäune à la Heiligendamm? Selbstschussanlagen? Tretminen? Flakstellungen? Einiges davon würde vielleicht sogar tatsächlich Abhilfe schaffen, beinhaltet jedoch beträchtliche finanzielle Investitionen.
Übrigens, auch der Rat “Schaffen Sie sich eine Katze an” mag zwar gut gemeint sein, ist aber eigentlich immer fehl am Platze, es sei denn, jemand ist chronisch unterbeschäftigt oder braucht jemanden, mit dem er sich streiten kann. Katzen haben zwar den Ruf, gegen jegliches Ungeziefer im Garten und im Haus prompt vorzugehen; wo sie diesen Ruf herhaben, ist mir und den Katzen höchstwahrscheinlich auch völlig schleierhaft.
Einen Vorteil hat die Katze aber - im Gegensatz du den Menschen weiß sie nämlich Bescheid: Bevor sie sich jetzt von ihrem sonnigen Plätzchen erhoben hat, um die nervende Taube raubtierhaft in die Schranken so weisen, ist das Vögelein schon längst hämisch lachend in die Luft aufgestiegen und wird in Zukunft zur Strafe extra nervig sein.
Mein Rat an alle von Tauben Geplagten: Machen Sie’s wie Ihre Katze. Tun Sie einfach nichts und drehen Sie sich stoisch auf die andere Seite. Wenn Sie das Gefühl haben, nun aber wirklich etwas tun zu müssen - gähnen Sie herzhaft.
Unwort des Tages: “Gurr!?!”



Da muß ich dir ausnahmsweise mal widersprechen: ich wäre froh, solch eine Natur um mich herum zu haben. Von dem Vorkommnis mit den Eichhörnchen hätte ich Fotos gemacht.
Bei den Tauben kann ich dir ansatzweise zustimmen, da es sich hier vermutlich um die gewöhnliche Stadttaube handelt, von der der Durchschnittsbürger zumeist nur weiß , das sie alles vollkackt und Krankheiten überträgt. Auch können die auf Dauer monotonen Lautäußerungen leicht eintönig sein. Das verstehe ich. Als Hobbyornithologe bin ich auch mehr an den reinrassigen Taubenarten interessiert, von denen es in Deutschland immerhin vier Arten gibt.
Auf die Foto-Idee bin ich vor lauter Panik gar nicht gekommen…
Oho, bei den Tauben unterscheidet man auch noch zwischen reinrassigen und nicht reinrassigen Tauben? Schau mal einer an… ich kenne nur zwei: die graue Taube und die weiße Taube^^. Aber ich bin ja auch weiß Gott kein Ornithologe. Mit Grund, wie man sieht…
Na ja … ohne jetzt vom Thema abzukommen. Die Haustaube (wohl die bessere Bezeichnung) die überall in der Stadt rumschwirrt, stammt von eine Art ab, die in der Türkei beiheimatet ist (ungefähr wie die Hausente in weiß ursprünglich von der Stockente abstammt). Und reinrassige Arten die in freier Wildbahn vorkommen haben wir vier Stück, wobei die Ringeltaube (weißer Halsring) die mit Abstand häufigste ist …
Aber Fotos von den Eichhörnchen wären doch lustig gewesen …
Aber Basti!! Ältere Mitbürger sind doch (leider) keine Randgruppen mehr, durch geschicktes jahrzehntelanges Vermehren ihrerseits haben wir sie nun in ihrer überaus großen Stärke am Hals. Es zeigen sich bei genauerer Betrachtung allerdings Parallelen: 1. sie wollen unser Essen (im Falle Senioren evtl. Geld)
2. sie stehen dauernd nervig im Weg rum
3. man könnte sie mühelos mit dem Rat überfahren
4. sie sind häufig grau
5. sie können sich nur suboptimal artikulieren
usw.
Hallo Schreiber,
hast Du auf gewisse Weise interessant beschrieben, obwohl ich diese Art nicht leiden kann (zuviel “Poesie”). Aber die Tauben gehen mir auch auf die Nerven. Hatte sogar gestern eine von den “Sausäcken” auf dem Balkon im Studentenwohnheim. Die können vermutlich nichts dafür, dass sie rumgurren, ich schätze, die machen das auch nicht, um uns zu nerven. Aber Fakt ist, dass es sehr nerven kann. Da sind wir beide nicht die Einzigen, denen das nervt und die gerne was gegen die Viecher machen würden.
Ich hab schon überlegt, die mit nem Bogen oder Luftgewehr zu erschießen, auch wenn es gefährlich in Wohngebiten ist, verboten vermutlich eh.
Ich kann mich dazu nicht entscheinden, weil ich ja auch nicht will, dass man mich, wenn ich nerve, einfach abknallt. Bei Tieren ist es aber so, dass es Förster gibt, die sich um den Bestand von wildlebenden Tieren kümmern. Wenn es zu viele Rehe gäbe, würde eine bestimmte Anzahl von Rehen zum Abschuss durch Jäger freigegeben, um zu verhindern, dass die z.B. andern Arten zu viel Futter wegnehmen, schätz ich.
Zu viele Tauben in Wohngebieten ist ebenfalls ein Abschussgrund, finde ich, weil sie keine Rücksicht darauf nehmen, ob sie anderen Lebewesen zuviel Stress zumuten, z.B. durch Futterwegnahme anderer Vögel usw., durch viel Kot, was Vögel allgemein auch auf Autos runterschmeißen (Lack geht kaputt, man muss öfter waschen, ärgert sich), auf Häuser, auf STraßen, wo man dann nicht hergehen möchte, beim Thema Vogelgrippe und Papageienkrankheit man sowieso aufpassen sollte, dann natürlich, nicht zuletzt, den Streß durch Lärm. Oft klingt das Gurren für mich sehr aufdringlich. Ein Scherz dazu könnte sein, dass sie uns damit anflehen, sie doch endlich umzulegen. Ist natürlich Unsinn.
Aber dann gibt es noch Leute, die sich für Tierschützer halten, womöglich noch selber Vögel zuhause haben, die sie, weil sie sich ja für Tierschützer halten, den ganzen Tag im “KZ” einsperren, also im Käfig. Als wenn die Vögel das gut findn würden.
Also es gibt sogenannte Tierschützer, die dagegen sind, dass Städte sich gegen Taubenplagen wehren, indem die Vögel umgebracht werden.
Dann frage ich euch Tierschützer, warum ihr die Tauben nicht zu euch nehmt, wenn ihr sie so gerne habt, dann rüber damit. und kommt vorbei, um bei uns den Dreck wegzuputzen, den diese Vögel hinterlassen haben.
Ich hab kürzlich beim Ordnungsamt gefragt. Die können nichts machen, meinten sie. Dann hat mir der Typ vom Amt gesagt, dass er selber gegen diese Viecher vorgeht. verkehrte Welt.
Mir hat irgendjemand mal den Tip gegeben, gegen Tauben nicht vorzugehen, weil ich mich dann selber mal im Straßengraben vorfinden könnte, weil irgendwlche Züchter sauer wurden.
Ich hab aber auch schonmal gehört, dass Wildtauben bei Züchtern nicht unbedingt beliebt sein sollen.
Wa machen die eigentlich mit den Viechern, wenn sie eine Zucht aufgeben? Gelesen hab ich, dass viele verwilderte Tauben Nachkommen von ehemaligen Zuchttauben wären.
Also vom Menschen gezüchtet, dann gejagt. Ist auch nicht richtig, aber ich, z.B., hab keine Tauben gezüchtet.
Das problem ist wirklich, dass es immer mehr Tauben geben wird, wenn sie sich ungestört weiter fortpflanzen können.
Und dass Tauben als “fliegende Ratten” bekannt sind, sagt schon der “Volksmund”. Und, dass, zumindest die Deutschen, gerne gegen diejenigen sind, die Tiere umbringen, (damit andere was zu essen haben und Jäger zum bekannten, eigentlich sinnvollen Zweck, einsetzen), das weiß man eigentlich auch. (Welcher “Tierschützer” von heute hat früher denn selber auf dem Bauernhof ein Huhn töten, rupfen und zerlegen müssen, um das später zu essen?)
Also wegen dem “Taubenthema” wären mir ein paar gute Vorschläge schon wichtig. Und bitte nicht den Vorschlag machen, einfach wegzuziehen. Denn das ist grober Unfug. Ich war zuerst hier, die Taubenplage, zumindest in diesem Umfang nun, fing anscheinend erst vor ca. 2 Jahren an. Und bei Tauben ists ja so, die scheinen uns zu folgen, (also könnte ich ja gar nicht flüchten). Sonst würden die ja alle im Wald oder woanders leben, nicht wahr?
Gruß
Michael
http://www.flensburg-online.de/diverses/tauben-in-flensburg.html
Wow, was für ein langer Kommentar, Michael. Deswegen hat meine Antwort auch so lange gedauert, ich bitte um Verzeihung.
Du hast ja eine Menge zu sagen - schon mal daran gedacht, ein Blog aufzumachen? Das eignet sich recht gut, wenn man gerne möchte, dass viele viele Menschen die eigenen Ergüsse- die geistigen! - zu Gesicht bekommen.
Ein sehr interessanter Beitrag über Tauben jedenfalls. Dass diese Tauben also Nachfahren von Wildtauben sind, das ist mir neu. Das kann ich ja mal den Tauben hier vor meinem Fenster erzählen, vielleicht lösen sie sich dann vor Scham auf. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings gering.
An alle gewaltbereiten Leserinnen und Leser: Ich rate dringend von Gewalt gegen Tauben und anderes Gefieder ab. Denn: Wissen Sie mit Sicherheit, dass dieses graue, gurrende Gefiedertier nicht ihr Ururgroßvater ist? Und unchristlich wäre es noch dazu. Also. Machen Sie sich und Ihre Verwandtschaft nicht unglücklich!