Fragen Sie einen beliebigen Menschen, der älter als 35 Jahre ist, nach seiner Meinung über die Jugend von heute. Er wird in etwa folgendes sagen:
“Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten.”
Um es auf den Punkt zu bringen: Deutschlands Jugend ist dick, alkoholkrank, rechtsradikal, linksradikal, radikalradikal, pornosüchtig, taub, doof, politikverdrossen, der deutschen Sprache nicht mächtig, der Englischen auch nicht, intolerant, gewaltliebend, kulturbanausend…
Das scheint der Tenor der Medienlandschaft zu sein. Erinnern wir uns an die Wochen und Monate nach Veröffentlichung einer verhängnisvollern PISA-Studie. Was wurde auf Kinder, Lehrer, Schulen, Minister, Lehrer, Schulen, Kinder, Lehrer, Lehrer, Schulen, Lehrer, Minister und Eltern geschimpft! Wie rosig sahen auf einmal die finnischen Bildungseinrichtungen aus! Fast wäre Finnisch hierzulande sogar als Amtssprache eingeführt worden (beruhend auf einem Gutachten von hochrangigen Wissenschaftlern, das besagte, dass Finnisch, wenn es gesprochen werde, positive Schwingungen im Hirn auslöse und daher finnische Kinder per se schlauer seien als alle anderen)…
Und auch heute noch liest, hört und sieht man viele Berichte über Kinder und Jugendliche, die wahlweise asozial, fehlgeleitet, bekloppt, unterernährt, überernährt oder seitenverkehrt sind.
Ist Deutschlands Jugend wirklich so schlimm?
Klare Antwort: Nein.
Natürlich haben sich die Umgangsformen in den letzten Jahrzehnten verändert - lesen Sie mal ein Benimmbuch aus den 70ern und testen Sie danach Ihr Benehmen.
Zugegeben, es scheint für erstaunlich viele der Generation Gangbang sehr schwierig zu sein, die Hand aus der Hosentasche in die Hand des zu begrüßenden Gegenübers zu schwingen (das war die Pflichübung; die Kür besteht darin, dabei dem Gegenüber auch noch in die Augen sehen). Geht aber davon die Welt unter? Zeugt das von Minderwertigkeit? Von Ignoranz? Oder ist es einfach so, dass man sich in 20 Jahren nur noch mit “Na Alda” begrüßt?
Killerspiele - ein rotes Tuch gleichermaßen für Politiker, Erziehungswissenschaftler und Jugendliche. Steht dieses Politikum doch symptomatisch für die Verrohung der Jugend, ob eingebildet oder nicht. Verbieten - ja oder nein? Oder doch lieber den Lehrern die Schuld geben? Das wäre einfacher, aber nicht mehr glaubhaft. Ich will mich in diese Diskussion nicht einmischen. Ich möchte nur mal ganz kurz fragen: Gibt es ein männliches Wesen über 40, das früher nicht Cowboy und Indianer gespielt hat? Oder äquivalent Gewalttätiges?
Sehen Sie. Der einzige Unterschied ist der, dass das Ganze heutzutage nicht mehr an der frischen Luft, sondern im stickigen Zimmer und nicht mehr in der Gruppe, sondern hauptsächlich allein stattfindet. Und, dass mehr Blut spritzt. Virtuelles.
Ersparen Sie mir die Gegenbeweise? Die Verweise auf Universitäten, Sportvereine, Theatergruppen, Musikvereinigungen jeglicher Couleur und Ausprägung, Rollenspielvereinigungen, UN-Simulationen und so fort - da, wo sich die andere Seite der Jugend tummelt, von der der Auto-Normal-Verbraucher durch die Medien nichts mitbekommt? Ich denke, Sie werden mir glauben, dass unsere Jugend nicht so schlimm ist, wie wir denken. Und wie manche vielleicht auch gerne denken möchten. Denn: Früher war ja sowieso alles besser.
Pustekuchen. Das eingangs erwähnte Zitat stammt von einer babylonischen Inschrift, die etwa 3000 Jahre alt ist.
Unwort des Tages: Jugend von heute.



Ich würde ja jetzt gerne was positives über die Jugend sagen, da gehöre ich mit 21 wohl auch noch dazu…. aber ich kann nicht. Mich beschäftigt immer noch der Kulturschock von Norddeutschland nach Berlin und da sieht das mit der Jugend nun nicht so rosig aus, zumindest bei den Fällen, die mir hier täglich begegnen. Irgendwie reichen mir nämlich die positiben Ausweichler aus dem Schema nicht mehr, um meine Generation sonderlich zu mögen.
Schon erstaunlich, wie viele Sachen selbst über Jahrtausend nichts an Wahrheit verlieren… Vielleicht ist das Einzige was sich geändert hat die Betrachtungsweise..