Ein gutes Beispiel dafür, dass Lenin mit seinem publikumswirksamen Spruch “Religion ist Opium für das Volk” nicht ganz unrecht hat, bietet die Seite kreuz.net .Unter dem Vorwand, eine “katholische Nachrichten”-Seite zu betreiben, wird dort dem Straftatbestand der Volksverhetzung gefrönt.
Mit Nachrichten hat kreuz.net überhaupt nichts zu tun. Auch christliche Werte sucht man dort vergebens. Zumeist beschäftigen sich die Artikel auf zutiefst unchristliche Weise mit dem Phänomen der Homosexualität, das die Autoren von kreuz.net augenscheinlich sehr aufregt. Und das so sehr, dass ein einfacher kleiner Test Folgendes ergibt:
“Liebe” ist ein sehr wesentlicher Begriff, besonders im Christentum. Der weitaus größte Teil der Seite könnte sich also mit diesem Thema beschäftigen. Ich gebe also “Liebe” als Suchwort auf der kreuz.net-internen Suchmaschine ein und erhalte 1061 Artikel.
Wenn ich nun das in seinem Wesen schon leicht diffamierende Wort “Homo” eingebe, erhalte ich sage und schreibe 879 Treffer.
Beim christlichen Wert “Demut” sind es ganze 55. “Nächstenliebe”: 65. “Hass”: 261. “Erbarmen”: 24. “Hoffnung”: 391.
Über allem steht sogar bei kreuz.net der “Glaube”: 1973 Treffer. Mir scheint, man glaubt bei kreuz.net vor allem an sich selbst und vor allem daran, dass “gläubige Katholiken” (im Sinne von kreuz.net, in unserem Sprachgebrauch also etwa: radikale Christen) die eindeutig besseren Menschen sind. Schöner. Schlauer. Intelligenter. Liebenswerter. Und: lebenswerter.
Schauen wir uns die Seite mal etwas genauer an. Die Struktur der Seite basiert, ähnlich wie dieser Blog, auf einem System aus Artikel und Kommentaren. Um Kommentare abzugeben, muss man sich natürlich registrieren.
Dabei sind natürlich auch die Kommentare einiger eifriger “Christen” von besonderem Interesse. Doch eins nach dem anderen. Nehmen wir uns einen durchschnittlichen kreuz.net-Artikel vor, in dem es um die Homosexualität geht. Die Auswahl ist riesig.
So schreibt also diese “katholische Nachrichtenseite” hier allen Ernstes folgendes: “In der Antoniterkirche in Köln ist ein Homo- Propagandist aufgetreten. (…) Bei dem Homo-Aktivisten handelt es sich um den bekannten südafrikanischen Richter Edwin Cameron (54). (…) Er war zunächst normal verheiratet. Dann ließ er sich scheiden und verfiel dem Sodomismus.”
Ich übersetze das mal: Nachdem seine erste Ehe gescheitert war, ging er eine homosexuelle Beziehung ein.
Nun hat der Herr Cameron leider Aids. Das nimmt der intelligente kreuz.net-Autor, dessen Name natürlich, wie die Namen aller anderen Autoren auch, ungenannt bleibt, zum Anlass, sein “Wissen” bzw. seinen “Glauben” über die Hintergründe des HI-Virus auszuspeien: Die “Aids-Seuche, die praktisch nur durch sexuelle Unzucht, in erster Linie homosexueller Natur, verbreitet wird…”. Ideologisch verbrämter Unsinn.
Herr Cameron hat über sein Leben mit und gegen Aids ein Buch geschrieben und eine Lesung veranstaltet. Kreuz.net: “Die Lesung in der Antoniterkirche wurde von dem radikalen und extrem kirchenfeindlichen „Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland“ organisiert.” Der Verband ist natürlich weder radikal noch kirchenfeindlicher als nötig. Kreuz.net ist das beste Beispiel dafür, dass eine kleine Portion Kirchenfeindlichkeit sehr wichtig ist.
Die Arbeit des Verbandes beschreibt kreuz.net in dieser Bildergalerie, die auf der Artikelseite mit “Teuflischer Haß der Homosexuellen” betitelt wird. Man beachte das Bild 3: Gezeigt wird ein Plakat des Verbandes, auf dem zwei augenscheinlich lesbische Frauen zu sehen sind. Darunter steht: “Kann denn Liebe Sünde sein?” Symptomatisch für die Vorgehensweise der Radikal-Christen ist die Bilduterschrift von kreuz.net: “Kann denn Sünde Liebe sein?” Kreuz.net - eine Verdrehung der Realität, eine Verdrehung des christlichen Glaubens. Nichts weiter.
Noch ein Beispiel? Hier. Der verzweifelte Versuch eines Pseudo-intellektuellen, der tatsächlich ausnahmsweise namentlich genannt ist, einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Schizophrenie herzustellen. Und das ganz im Ernst und mit dem Brustton der Überzeugung. Das führt dann zu haarsträubenden Stilblüten, die von der Wahrheit so weit entfernt sind wie der Autor vom Papststuhl: “Das kakophone und kakovisuelle Auftreten von Homosexuellen in der Öffentlichkeit hat in den letzten Jahren die Hypothese verdichtet, daß dichothome Dissonanzen des homosexuellen Charakters für schizophrene Symptome ursächlich sein könnten.” Mich deucht, der Depp spricht im Fieber.
Und es geht noch weiter: “Die Schamlosigkeit in der öffentlichen Zurschaustellung sodomistischer Obszönitäten (…) muß mit dem Psychologen Sigmund Freud († 1939) als Beginn einer Geisteskrankheit angesehen werden.” Bebildert wird die Explosion von verschriftlichten, intelligenten Gedankengängen mit Aufnahmen von CSD-Paraden. Das sind dann auch die einzigen Bilder, die zum Thema Homosexualität auf kreuz.net zu finden sind. Der Sinn dahinter ist klar: So sehen alle Schwulen und Lesben aus - los, ekelt euch davor!
Leseempfehlungen zum Thema kreuz.net und Homosexualität: hier (”Ein bekannter US-amerikanischer Homo-Ideologe ist nach 16 Jahren wieder normal geworden”) und hier (”Leugnung der Homo-Diktatur zwecklos”).
Die zu starke Beschäftigung mit dem Katholizismus, gepaart mit einem Schuss Arroganz, Ignoranz und einem Sinn für das Sinnentleerte führt zu einem fortschreitenden Wahrnehmungsdefizit. In diesem Artikel findet sich folgende Stilblüte: “Die kirchenfeindliche Gruppe „Wir sind Kirche“ fordert ein Ende der Zöllbats- verpflichtung für Priester.” Das ist in etwa so wie: “Die regierungsfeindliche Organisation “Deutscher Bundestag” ist heute wieder zu einer illegalen Sitzung zusammengetreten.”
Einen kleinen Hang zur Übertreibung habe ich auf kreuz.net nach etwa 30-sekündiger Suche ebenfalls gefunden: “Die linksradikale Berliner ‘Tageszeitung’…” Dass die taz nicht unbedingt der CDU nahesteht, ist ja nicht neu, aber linksradikal…? Naja.
Wenn die taz linksradikal ist, was ist dann kreuz.net? Sie steht auf Adolfs linkem Fuß, würde ich sagen, um im Bild zu bleiben.
Die “gläubigen Christen”, die sich auf kreuz.net tummeln, scheinen zu einem großen Teil ihren Sinn für Menschlichkeit irgendwo an der Kirchentür abgegeben zu haben.
Zitate:
“Aus Liebe und Respekt GOTT gegenüber schreibe ich IHN gross.”
Nun ist ja Volksverhetzung in Deutschland strafbar. Man müsste die Individuen, die kreuz.net betreiben, also belangen können.
Leider ist dies nicht oder nur sehr schwer der Fall. Denn natürlich findet sich zwar ein Impressum; wer aber auf eine Adresse hofft, um homo-ideologische Briefe hinschicken zu können, der wird enttäuscht. Es findet sich auf der Impressumsseite folgende Adresse:
“Sodalicium for ‘Religion and Information’
1018 E. Mariposa Ave
El Segundo, CA 90245-3114
U.S.A.”
Dieser Seite zufolge lässt sich die Adresse “nicht über den US Postal Service verifizieren”. Bei kreuz.net weiß man also augenscheinlich, sich zu verbergen. Dazu wird man sogar noch ermutigt: “kreuz.net’ akzeptiert ohne Namen eingereichte Informationen und betrachtet es als Ehrensache, die strikte Anonymität seiner Informanten zu wahren.” (hier)
Immerhin wirbt man bei kreuz.net mit einem wunderschönen Spruch: “Sie wollen wissen, was Sie nicht wissen, dann sollen Sie wissen, dass es KREUZ.NET gibt.” Wir wollen aber gar nicht wissen, was KREUZ.NET weiß, weil das Wissen von KREUZ.NET unserem wissenschaftlichem Wissen wissentlich widerspricht, wie KREUZ.NET zwar weiß, uns aber nicht wissen lassen wiss. Ähh, will.
Sorgen machen mir vier Dinge:
1. “‘Kreuz.net’ ist die Initiative einer internationalen privaten Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind.” Irgendwo, wo man christliche Menschen vermutet, sitzen also Radikale, die solcherlei Gedankengut mit sich herumtragen.
2. Zum Zeitpunkt, wo ich dies schreibe, es ist Donnerstag 0.40 Uhr, befinden sich kreuz.net zufolge 129 Leser auf der Seite. Und es ist eine deutschsprachige Seite. Kreuz.net hat also eine riesige Lesergemeinde.
3. Kommentare wie diese hier: “Kreuz.net hingegen beweist jeden Tag aufs Neue seine Geradlinigkeit und Unabhängigkeit. In diesem Sinn: Weiter so, kreuz.net, und DANKE!” (hier)
4. Die Tatsache, dass kreuz.net als offizielle Quelle bei GoogleNews gelistet ist. (hier)
Die Kombination aus fundamentalistisch-christlicher Erziehung, der Ersetzung des Denkens durch den Glauben und die Infiltration durch kreuz.net und ähnliche Einrichtungen führen dazu, dass erstaunlich viele Menschen derart in die Irre geleitet werden. Ich mag nicht daran denken, dass es noch viel mehr dieser Menschen da draußen gibt. Und was passiert, wenn die Radikalen der beiden großen Weltreligionen aufeinandertreffen.
Kreuz.net ist eine Gefahr, und zwar keine, die kleiner wird; keine, die man auf die leichte Schulter nehmen kann. Das Internet bietet solcherlei Leuten aber leider ein offenes Forum, ohne dass sie wohl Konsequenzen fürchten müssen. Schade eigentlich.
Fragen wir uns, die “Christen” auf kreuz.net und nebenbei auch noch die Zeugen Jehovas: Was würde Christus wohl auf kreuz.net schreiben?
Unwort des Tages: katholische Nachrichten.



Und da warn mich noch einer vor Islamisten *kopfschüttel* Ich bewundere nach wie vor jeden, der einen festen Glauben hat (ganz egal welcher Art und wenn er nur an sich glaubt), aber solche Menschen finde ich unheimlich!
Leider ist es gerade für Jugendliche und Menschen, die auf der Suche sind sehr leicht an solche Leute zu geraten. Ich danke IHM und meiner MUTTER, dass ich in der Lage bin mir rational und unvoreingenommen eine Meinung bilden zu können.
Das ist ganz traurig. Da gibt es einen Haufen Leute (teilweise ja offensichtlich mitten unter uns), die solche Sprüche nicht nur schreiben, sondern auch noch glauben. Im Grunde wäre jedes Zitat das du schreibst, schon für sich genommen eine Anklage wert.
Bei den vier Punkten, die dir Sorgen machen triffst du den Nagel auf den Kopf.
[...] vergessen? Jetzt nicht traurig sein!). Der Basti hat eine Internetseite gefunden, in der wie er es zutreffend formuliert “Volksverhetzung unter christlichem Tarnmantel” betrieben wird. Aufgrund der Position [...]
Mich deucht…
…der Depp spricht im Fieber.”
Fundamentalismus, wohin man schaut. [...]
Ich denke, das bleibt nur noch der aktive Atheismus oder, anders ausgedrückt, der Humanismus, nicht wahr?
klausdede