Koalition strebt in seltener Einigkeit Diätenerhöhung an

3 11 2007

Ich bin fast vom Schreibtischstuhl gefallen, als ich eben die Schlagzeile las: “Koalition strebt kräftigen Diätenaufschlag an”.

Habe ich vielleicht irgendwas nicht mitgekriegt? Die Tagesschau hat gestern eine zweiminütige MAZ über den Koalitionsstreit gebracht, wo all die Punkte aufgezählt wurden, in denen sich die Damen und Herren von CDU und SPD uneins sind. Und es waren viele. Sehr viele.
In einer Sache herrscht aber grundsätzliche Einigkeit, sowohl im Bundestag als auch in den Landtagen unserer schönen Bundesrepublik. In dieser Sache dürften sogar die Abgeordneten der NPD zustimmen. In der Frage der Diäten nämlich. Die müssen für Bundestagsabgeordnete nun aber auch endlich mal wieder erhöht werden, meinen die Bundestagsabgeordneten. Immerhin hat es seit 2003 keine Erhöhung mehr gegeben!

Also: Rauf mit den Diäten! Geplant ist eine Erhöhung um 9,4 Prozent (in Worten: Neun Komma vier), das sind etwa 700 Euro, auf 7700 Euro im Monat. Das ist so viel wie ein oberster Bundesrichter. Der oberste Bundesrichter allerdings arbeitet nicht nebenbei noch für etliche Tausender für Vereine, Firmen oder sonstige Krankheiten. Und der oberste Bundesrichter legt die Höhe seiner Bezüge auch nicht selbst fest.

Die SPD betont, dass die Erhöhung nur stattfinden kann, weil gleichzeitig die Altersbezüge gesenkt werden. Der Plan sieht in der Tat eine kleine Absenkung der Pensionen vor: 4 Prozent sollen es sein.

Ich behaupte einfach mal, dass in den letzten Jahren äußerst äußerst äußerst wenige Menschen eine Lohnerhöhung von fast 10% bekommen haben. Und dann auch noch auf diesem hohen Niveau. Die Löhne in unserem schönen Lande sind in den letzten Jahren entweder gar nicht oder nur leicht gestiegen; in einem Maße jedenfalls, das die Inflation nicht einmal ansatzweise ausgleicht.

Ausnahme sind vielleicht die Lokführer…

Warum nehmen sich die ehrenwerten Abgeordneten des Bundestages das Recht heraus, ihre Bezüge so massiv zu erhöhen? Haben sie nicht schon genug Geld? Sind sie nicht im Alter auch genug abgesichert, zumal ja die Möglichkeit besteht, sich während der Arbeit als Abgeordneter ein paar Tausender im Monat dazuzuverdienen?

Ein gutes Vorbild geben sie ab, unsere Politiker. Sie sitzen an der Quelle und können ganz legal die Hand aufhalten.

Wer würde das nicht tun, wenn er sein Gehalt selbst bestimmen könnte?

Unwort des Tages: Diäten.


Aktionen

Information

4 Antworten zu “Koalition strebt in seltener Einigkeit Diätenerhöhung an”

3 11 2007
clausen (19:19:15) :

Es ist einfach unverschämt, was sich die Politiker herausnehmen.
Wir haben sie gewählt, sie stehen auf unseren Gehaltslisten (weil wir sie von unseren Steuergeldern bezahlen) und wir als ihre Chefs haben über deren Gehaltserhöhungen nichts mehr zu bestimmen ?
Kann einfach nicht sein !

4 11 2007
romanmoeller (01:00:41) :

Einfach unfassbar. Aber neu ist die Idee nicht wirklich. Bereits am 19.8.2007 habe ich einen Beitrag verfasst, als die Parteien selbst mehr Geld aus der Staatskasse haben wollen (mit Kürzung der Pension im Gegensatz):

http://romanmoeller.wordpress.com/2007/08/19/skandal-die-so-genannten-volksparteien-wollen-uns-mal-wieder-frech-abzocken/

8 11 2007
Bloglinks am 07. November « Angelina Ha - Blog (13:35:13) :

[...] Koalition strebt in seltener Einigkeit Diätenerhöhung an bei Das Unwort - Unseriöse, unerhört unpolitische Ungereimtheiten [...]

10 11 2007
romanmoeller (22:58:23) :

Im Übrigen ist es selten dämlich, die Diäten auf Kosten der Altersvorsorge zu kürzen. Die Diäten reichen auch jetzt gerade so zum leben - da kann man doch ruhig mal etwas mehr zurücklegen, den Blick in die Zukunft gerichtet …

Einen Kommentar schreiben

Du kannst diese Tags benutzen : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>