Kein satirischer Text über das Unwort des Jahres

26 01 2008

Wenn man anfängt, seine Schreibblockaden zu thematisieren, kann man sich eigentlich auch gleich erschießen. Damit gräbt man sich nämlich sein eigenes Grab - die Leser mögen dieses Selbstmitleid nicht: “Haaaaach ich kann ja gaaaaar nichts schreiben, weil oooooohhhhh es geht mir ja sooooooo schlecht…”

So isses aber gar nicht, lieber Leser! Ich erfreue mich durchaus eines guten gesundheitlichen Zustandes. Zumindest jetzt, nachdem ich in tagelangem Kampf irgendeinen bösen Virus niedergerungen habe, den ein Mitglied meines Theaterensembles mir kollegialerweise vermacht hat…

Daran kann es also nicht liegen, dass ich keinen kreativen Text zusammenkriege.

Es ist ja so: Dieses Blog heißt “Das Unwort - Unerhört unpolitische Ungereimtheiten”. So weit, so gut. Nun ist es ja so, dass jedes Jahr von Ich-weiß-nicht-wem das Unwort des Jahres gekürt wird.

Und über dieses Unwort des Jahres müsste sich an dieser Stelle, finde ich, ein brillant geschriebener, satirischer, wohl formulierter, gut recherchierter und gleichsam möglichst unterhaltsamer Artikel finden.

Das Unwort des Jahres heißt: Herdprämie.

Dazu, lieber Leser, fällt mir nichts ein. Aber auch rein gar nichts.

Nagut, man könnte das halt politisch angehen und dann über Ursula von der Leyen und irgendwelche Pläne abledern; über Männer, die ihre Kinder nur des Geldes wegen hüten wollen und über die Männer-Frauen-Beziehungen und weiß der Geier was sonst noch alles. Aber das ist mir irgendwie alles zu doof. Und die Herdprämie als Aufhänger… ich weiß auch nicht. Das gefällt mir alles nicht.

Den zweiten Platz auf der Unwortliste belegt in diesem Jahr ein Adjektiv. Ein Adjektiv aus der hippen Wortgruppe der Umweltpolitik: “klimaneutral”. Auch das ist ein Wort, so sanft, so seicht, so dahinplätschernd - ein Wort, das sich zärtlich in den Gehörgängen ausbreitet, einem doch irgendwie auf den Magen schlägt und dabei gleichzeitig so unglaublich langweilig und unaufgeregt ist, dass man einschlafen möchte. Jedenfalls keine gute Grundlage für einen qualitativ hochwertigen satirischen Text.

Ich plädiere dafür, im nächsten Jahr ein paar schönere Worte als Unwort auszuwählen. “Analphabetenrate” zum Beispiel oder “Brustkrebsvorsorge”. Die sind zwar genau so langweilig wie die obigen, man kann mit ihnen jedoch wenigstens flache Wortspiele treiben. Und das wollen Sie doch, lieber Leser, geben Sie es doch zu.

Unwort des Tages: Unwort des Jahres.


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3 Antworten zu “Kein satirischer Text über das Unwort des Jahres”

27 01 2008
romanmoeller (09:36:20) :

He, schon wieder so ein Seinfeld-Text … aus nichts noch was lustiges gemacht! ;-)

27 01 2008
Sebastian (16:19:29) :

Autobahn wär auch geil gewesen. Was kommt denn nächstes Jahr? Altersvorsorge?

27 01 2008
Basti (22:14:56) :

Roman, ich habe gehofft, dass du das schreiben würdest. ;-)

@Sebastian: “Autobahn geht gar nicht” (Kerner)

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