Bizarre Grüße aus der Heraldik

30 04 2008

Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Überhaupt entwickelt jede Berufsgruppe, die etwas auf sich hält, seien es Maurer oder Buchhalter, mit der Zeit eine eigene Sprache, die mit möglichst vielen unverständlichen Fachbegriffen durchtränkt wird, damit auch ja niemand Fremdes etwas versteht.

Heute am sehr frühen Morgen wurde ich in der Universität mit dem Phänomen der Heraldik konfrontiert. Heraldik, für die 99%, die es nicht wissen: Das ist die Wissenschaft, die sich mit Wappen beschäftigt. Wohlgemerkt mit Wappen und nicht mit Fahnen oder gar Flaggen.

Die Heraldik ist genauso pervers und verkehrt herum wie die Mathematik. Ich erinnere mich noch an den Matheunterricht, in dem eigentlich immer gegen den Uhrzeigersinn gezählt und nummeriert wurde, weil das ja mathematisch so üblich sei (man möge mir widersprechen, falls nötig - die Mathematik ist nicht mein bevorzugter Lebensraum).

Genauso tun’s die Heraldiker: Wenn man ein Wappenschild betrachtet, so ist nicht etwa links links und rechts rechts, oh nein! Hier ist links rechts und rechts links. Dies hat nichts mit dem Geschlecht oder der Intelligenz der Heraldiker zu tun, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass man den Schild aus der Perspektive des Trägers betrachte. Sagen die Heraldiker.

Es gibt ja Milliarden von verschiedenen Dingen, die man sich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Schild schreiben kann. Jungfrauen, Hirschgeweihe, den Christus, Türmchen, Herzchen, Hasen, Eichhörnchen - es gibt nichts, was es nicht gibt. Auf dem offiziellen Wappen der Demokratischen Volksrepublik Korea prangt denn auch nebst anderen hochtrabenden technischen Errungenschaften stolz ein Strommast.

Das ist ja aber auch alles nicht so einfach. Die Wissenschaft oder auch die Kunst, ein Wappen richtig zu beschreiben, nennt man - aus welchem Grund auch immer, und es hat zumindest im heraldischen Sinne nichts Anzügliches  - die Blasonierung. Die bringt so lustige Formulierungen hervor wie “vorn in rot ein linksgewendeter goldener Löwe” oder “vorne geschacht in Grün und Weiß, hinten in Silber ein aufgerichteter roter Panther.” Heraldiker klingen also eigentlich immer ein bisschen so, als ob sie gerade auf LSD wären.

Wenn man nichts Anderes zu tun hat, möge man sich damit beschäftigen, habe ich mir heute morgen gedacht. Es gibt ja Leute, die haben Freude daran. Bittesehr.

Was ich dann erfuhr, gab mir allerdings den Rest:

Heraldisch gesehen ist ein Löwe, der ja ziemlich oft auf Wappen auftaucht, ein Katzenvieh mit Mähne, das auf zwei Tatzen steht und zur Seite schaut. Also sowas wie der Löwe im Landeswappen von Thüringen:

Wappen Thüringen

Das ist heraldisch gesehen ein normaler Löwe.

Dann gibt es noch den Leoparden. Der unterscheidet sich vom Löwen nur dadurch, Biologen müssen jetzt ganz stark sein, dass er nicht steht, sondern geht und außerdem noch nach vorne schaut. Eine Mähne hat er trotzdem, der Leopard. Zum Beispiel diese Viecher hier:

Wappen England

Das ist das englische Wappen. Keine Ahnung, was die Engländer mit Leoparden zu tun haben, aber das ist ja ihre Sache.

Nun gibt es in der Heraldik noch zwei Dinge, die ich mir - versprochen! - nicht ausgedacht habe, nämlich den gelöwten Leoparden und den leopardierenden Löwen.

Der gelöwte Leopard ist ein Leopard, der zwar nach vorne schaut wie ein Leopard, jedoch steht wie in Löwe. Das gibt es zum Beispiel in der schönen thüringischen Stadt Remda. Genauer: Das gab es dort. Man hat das nicht etwa deshalb geändert, weil man herausfand, dass es weder in der Realität noch in gottverlassenen Käffern wie Remda gelöwte Leoparden gibt. Schuld am Tode dieses Wappens ist ein Anfall von Sparsamkeit. 1997 wurde Remda nämlich mit der Nachbargemeinde Teichel zusammengeschlossen. Und da gab’s dann natürlich auch ein neues Wappen, ist klar.

Hier also, in memoriam, nochmal der remdaische gelöwte Leopard:

Wappen Remda

Leopardierte Löwen dagegen sind Löwen, die zwar löwentypisch zur Seite schauen, jedoch leopardentypisch laufen. Die gibt es zum Beispiel in Dänemark:

Wappen Dänemark

Sie sehen, liebe Leser: Es gibt mehr Raubkatzen auf der Welt als sie denken. Einige schauen, andere stehen, und wieder andere haben ab- und eigenartige Farbkombinationen. Aber den Heraldiker stört das alles nicht. Hauptsache, man findet einen interessanten Namen dafür.

Unwort des Tages: Gelöwter Leopard.


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7 Antworten zu “Bizarre Grüße aus der Heraldik”

5 05 2008
Beobachter (14:51:15) :

Ich war echt tapfer, beim gelöwten Leoparden mußte ich jedoch aussteigen.
Der Rest des Beitrags wird für mich immer ungelesen bleiben. Doch der Inhalt war leider für ein normales Gehirn nicht zu ertragen, oder anders ausgedrückt: Was für eine gequirlte Kacke ist die Heraldik eigentlich?!? Man.
Wieviel Lebenszeit wird für solche unproduktiven Heraldikfachausdrücke verplempert? Unfassbar.

5 05 2008
Basti (20:50:44) :

Immerhin haben Sie es bis zum gelöwten Leoparden geschafft…
Und nun stellen Sie sich mich mal vor, wie ich in der Uni sitze und keine Chance habe, mich zu wehren! Seien Sie bloß froh, dass Sie die Wahl haben…!

8 05 2008
buchstaeblich (22:11:08) :

Was war denn nun mit der Heraldik?
Oder ist der Beitrag im Begriff als Unvollendete in die Blog-Historie einzugehen?
Dann sollte man dafür ein hübsches Wappen entwerfen.

8 05 2008
Basti (22:22:33) :

Öh? Habe ich eine Frage offen gelassen und wenn ja, welche?

9 05 2008
buchstaeblich (14:25:12) :

Na, ich hätte gern gewusst, warum Heraldik so schlimm ist. Dass sie schräg ist, wusste ich schon, aber ich hatte mir aufregend Schlimmes erhofft. Oder noch mehr krause Begriffe wie “gelöwte Leoparden” - kann man das nicht noch ein wenig auswalzen?
bittebittebitte….

9 05 2008
Basti (14:58:06) :

Naja, Sie haben ja gesehen: Es gibt auch Leute, die schon beim gelöwten Leoparden aussteigen. Die goldene Mitte ist also erstrebenswert … Ich hätte auch gern noch mehr geschrieben natürlich. Die Praktiken der Blasonierung z.B. schreien auch geradezu danach, dass man sich über sie lustig macht. Da gibt es regelmäßig unglaubliche Formulierungen…
Das würde aber den Rahmen eines solchen Artikels sprengen, denke ich. Vielleicht begegne ich ja demnächst wieder einem heraldischen Phänomen und schreibe noch einmal was darüber :-).
Ansonsten: Möchten SIE nicht vielleicht einen Artikel über Heraldik schreiben? :-)

9 05 2008
buchstaeblich (17:00:18) :

Och, ich hoffe lieber, dass die Heraldik-Interessierten Sie umstimmen zu mehr!

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