O du Wissenschaft - Kommunikationsprobleme mit Medizinern

29 05 2008

Wir alle tendieren ja dazu, vor uns hin zu leben, ohne groß nachzudenken. Auch wenn wir so große Gehirne haben und ja so fürchterlich verkopft sind: Die meiste Zeit des Tages tun wir andere Dinge als angestrengt nachzudenken. Es soll sogar Menschen geben, die nie angestrengt nachdenken…

Das ist auch ganz gut so, behaupte ich. Denn wenn Sie anfangen, nachzudenken und sich gar grundsätzliche philosophische Fragen zu stellen wie “Wer bin ich?” oder “Was soll ich?” oder schlimmer noch “Was kann ich?” (beliebter ist da schon die Frage “Wo bin ich?”, besonders nach Alkoholkonsum), dann kommen Sie ganz schnell dahinter, dass Sie auf viele dieser Fragen keine Antworten finden. Zum Beispiel: “Was ist Leben?” Keiner weiß es wirklich. Jeder hat vielleicht eine Erklärung, aber wissen tut es keiner.

Nun kann man sich aber auch noch ganz andere äußerst philosophische Fragen stellen und kommt dann zu interessanten, aber befremdlichen Erkenntnissen wie: Kommunikation ist unmöglich.

Um Ihnen das näherzubringen, liebe wissenschaftsbegeisterte Leser, zitiere ich aus einem gar erquicklichen Referat, das der berühmte Philosoph Dr. Felix Kucher anlässlich des europäischen Tags der Sprachen am 26. September im Diözesanhaus in Klagenfurt hielt (Download des Referatstextes hier): “Es ist unmöglich, sich
mitzuteilen. Der Sophist Gorgias, ein Zeitgenosse des Sokrates, stellte als radikaler Skeptiker
die berühmten Thesen auf:
1. Nichts existiert.
2. Wenn etwas existierte, könnte man es nicht erkennen.
3. Wenn man es erkennen könnte, könnte man es nicht mitteilen.
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Suchbegriffe. Der Tragödie zehnter Teil.

26 05 2008

Ich freue mich über jeden einzelnen Besucher auf diesem Blog. Auch über Sie!

Gelegentlich wundere ich mich allerdings dezent über die Suchbegriffe, mit denen Sie hierherfinden…

kuh frauen Eine Verbindung zwischen diesen beiden Wörtern lässt sich nicht leugnen, in der Tat…

was wollen die jehovas zeugen Ja, was wollen die bloß zeugen, die Jehovas?

scherz bilder mit fliegende tauben Wie muss man sich die denn vorstellen?

tauben auf dem balkon was tun? Ein Hilferuf, eingegeben bei Google. Wir können nur erahnen, was Sekunden später geschah… Hitchcock lässt grüßen!

ich will eine zeitung machen Wenn Sie schon mit Google anfangen: Lassen Sie’s.

kamel baby Gib mir einen Paarhufer, baby…

auto betrieben mit kuhfurzen Eingabe eines einsamen Fundis.

wie hört sich ein orgasmus an Schön, dass dieses Blog auch die jugendliche Zielgruppe anspricht. Tu Folgendes: Renne mit dem Kopf gegen die Wand. Das Gefühl, das du spürst, ist dem eines Orgasmus’ ähnlich; der Schrei, den du von dir gibst, klingt auch so.

jugend von heute so schlimm sind wir nic Typisch Jugend - gibt das bei Google ein… Wir hätten früher eine Demo veranstaltet! Oder zwei! Ach, was sag’ ich, hundert!

schoßhund wo mit m anfängt Der Schwabe, wo bei Google suchen tut

mond auf hand Hand auf Stirn

mein freund hat die penisgröße Den interessantesten Teil hat die Suchmaschine wohl zensiert. Ich setze fort: … einer Streicholzschachtel.





Alle Jahre wieder - nachhaltiges Wählen auf kommunaler Ebene

24 05 2008

Denken Sie doch mal daran, liebe Bürgerinnen und Bürger, sich zu freuen, dass Sie in einer Demokratie leben. Versuchen Sie es einfach mal. Beim Einkaufen. Oder beim Verharren im Wartezimmer (da haben Sie doch sowieso nichts zu tun). Oder beim Geschlechtsverkehr.

Freuen Sie sich also, bürger Lieberinnen und Lieber, dass wir in einer Demokratie leben und es uns deshalb so gut geht.

Wegen dieser Einleitung könnte ich mich eigentlich von der SPD als Kandidat zur Bundespräsidentenwahl aufstellen lassen, nicht wahr? Aber das ist ein anderes Thema.

Thema, under Bürgerinnen lieber Bürg, ist die Wahl, die ja nun morgen stattfinden wird. Für diejenigen von Ihnen, die jetzt in Panik verfallen und sich selbst für ernsthaft dement halten: Es sind nur Kommunalwahlen, und zwar in Schleswig-Holstein.

Wie langweilig, denken Sie jetzt.

Aber nein, lieber Underinnen bürg Under, mitnichten! Sie wissen ja, die Wahlen sind wichtig. Sie sind gewissermaßen, um in etwas antiquierten Worten zu sprechen, die Tretmühlen unserer Demokratie. Es ist zwar anstrengend, hinzugehen, aber es geschieht für einen guten Zweck. Sie wissen schon. Kampf gegen rechts und so. Den Rest des Beitrags lesen »





Unwort Videocast #19

18 05 2008

Sendung 19: Die hermeneutische Theorie des Films. Oder so.





Unwort Videocast - Outtakes 3

17 05 2008

Die Videocast-Folge mit Konna von der Gedankendeponie kam augenscheinlich ganz gut an. Deswegen habe ich nun in bewährter Medienmacher-Manier ganz tief in den Giftschrank gegriffen und ungesendetes Material herausgekramt, das wir vorgestern aufgezeichnet haben.





Unwort Videocast #18

15 05 2008

Die 18. Sendung ist etwas epischer angelegt als alle anderen und breitet sich dementsprechend auf eine Gesamtlänge von 20 Minuten aus. Lassen Sie sich davon jedoch nicht abschrecken, denn ich hatte die große Ehre, Konna auf meinem schmuddeligen Sofa begrüßen zu dürfen. Langeweile kommt also nicht auf … zumindest bei uns nicht.

Denn es gilt, die wichtige und existenzielle Frage zu klären: Was ist in der Tüte?

Teil 1: Helge Schneider, Konna und die Tüte mit dem rätselhaften Inhalt.

Teil 2: Die Tüte, das Horoskop und Linola Fettcreme.





Vom Hähen und Spähen

14 05 2008

Die deutsche Sprache ist zwar schön, aber auch schaurig. Nicht zuletzt deswegen, weil die Deutschen in ihrer Reformsucht (wahrscheinlich Luthers Erbe… sola scriptura…) nicht einmal davor zurückschrecken, ihrer eigene Rechtschreibung zu reformieren. Und das gleich mehrmals!

Trotz und wegen aller Reformen und Reförmchen bleiben viele Begriffe in unserer Sprache erhalten, deren Schreibung auf den ersten Blick so gar nicht einleuchten will. Und damit dieser Artikel nicht so lang und weilig wird und weil ich ohnehin noch vorhabe, mich an anderer Stelle über die Krankheit Rechtschreibung auszulassen, beschränke ich mich an dieser Stelle auf ein besonderes Phänomen in unserer Sprache. Ein Phänomen, um das uns die Engländer, Franzosen und Chinesen beneiden, denn sie besitzen es nicht. Sie verzehren sich jedoch danach (zumeist, ohne es zu wissen - die schlimmere Form des Verzehrens, weil ihr ja die Verdrängung des Verzehrens vorausging, man also genau genommen noch kränker ist).

Es geht um den wunderbaren Buchstaben

Ä

Den gibt es ja außer bei uns eigentlich nur in Finnland, Schweden, Estland und in den Weiten der osteuropäischen Pampa.

Trotzdem ist das Ä sehr wichtig, denn es macht sehr wohl einen Unterschied, ob man A schreibt oder Ä. Sogar und besonders in Finnisch:

Nain heißt nicht etwa nein, wie der Teutone nun gewohnt stumpfsinnig denken könnte. Nein, nain heißt “ich sah”. Bringen wir nun zu Testzwecken das Ä ein, wird es zu näin und heißt “ich hatte Sex”. Sie sehen also, das Ä ist wichtig. Und Sie lernen, im Finnland-Urlaub niemals “Nein, nein!” zu sagen, denn das heißt: “Ich sah, dass ich Sex hatte”. Oder zumindest so ähnlich. Den Rest des Beitrags lesen »





Der Mai ist gekommen, die Bäume fallen um - Stöckchenlese

11 05 2008

Dies ist ja ein Blog, wie Sie vielleicht wissen. Blogautoren untereinander haben die ungewöhnliche Angewohnheit, sich gegenseitig massive Hölzer an den Kopf zu werfen - sogenannte “Stöckchen”. “Stöckchen” ist natürlich nur eine sinnentleerte Metapher für einen Fragebogen, den der Autor dann auf seinem Blog veröffentlichen kann. Ich drücke mich um solche Dinge immer sehr gerne herum…

Heute hat es mich aber erwischt und ich bekam von Pas dieses Stöckchen. Ich hoffe, es bringt Ihnen allen einen erheblichen Erkenntnisgewinn.

4 Jobs, die du in deinem Leben hattest

Zunächst einmal war ich im Kindergarten auf einem Fest für die Dauer von etwa zehn Minuten für den Lolliautomaten zuständig. Man musste da in eine überdimensionale Kiste klettern und so tun, als ob man der Automat wäre, der nur dann Lollis herausgibt, wenn das draußen stehende, nach Lollis geifernde Kind den richtigen Hebel betätigt. Die Ära meiner Herrschaft in diesem Automaten zeichnete sich dadurch aus, dass der Automat über das Prozedere weniger Bescheid wusste als die Kunden. Ich wurde also nach bemerkenswert kurzer Zeit gechasst.

Ich finde auch durchaus, dass man mich während der 13 Jahre, die ich in der Schule verbracht habe, als Berufstätigen bezeichnen konnte. Meine Aufgaben waren zum Einen die Absorption von möglichst viel Wissen (quasi als großes Endziel), zum Anderen aber auch das Ausbilden einer zufriedenstellenden Persönlichkeit und ebenso das Ausbilden eines gewissen Fetischismus’ zur Verwendung von Nomina in Sätzen wie diesen; außerdem war ich jahrelang in der Betreuung älterer, verwirrter Lehrkräfte tätig. Ich wurde als Belohnung mit den verantwortungsvollen Aufgaben des Klassensprechers, Klassenbuchführers und auch des stellvertretenden Kurssprechers betraut. Den Rest des Beitrags lesen »





Aktives, nachhaltiges Phrasendreschen

8 05 2008

Wie schön, dass der Mensch fähig ist, zu sprechen. “Langage” nannte das der berühmte Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure. Warum auch immer. Das u hat er vielleicht vergessen und uns deswegen ein neues Fachwort beschert… er war halt Wissenschaftler. Und dazu noch einer, der sich freiwillig mit Linguistik beschäftigte. Solche Menschen ekeln mich geradezu an…

Glücklicherweise sind die Fieberträume des Saussure nicht Thema dieses Artikels. Es geht vielmehr um unsere typisch deutsche Angewohnheit, im Bewusstsein unserer eigenen Wichtigkeit sofort und als hätte man einen Schalter umgelegt hochgestochen und sinnentleert daherzufaseln, sobald wir um ein Statement gebeten werden.

Haben Sie schon mal zu Ihrem Geschlechtspartner gesagt: “Ich trage mich mit dem Gedanken, unsere zwischenmenschliche Beziehung am heutigen Abend auf effektive Weise nachhaltig aktiv zu gestalten”? Oder beim Schlachter: “Zur Befriedigung eines aus dem Instinkt erwachsenen menschlichen Bedürfnisses und zur Ankurbelung und nicht zuletzt auch Aufrechterhaltung des Stoffwechsels, der mich und auch Sie am Leben erhält und in Zukunft erhalten muss, soll, darf und kann, erwerbe ich hiermit zweihundertundneunzig Gramm feinsten Hackfleisches, das vor einiger Zeit aus sowohl Schweine- als auch Rindfleisch zusammengeführt worden ist.” Den Rest des Beitrags lesen »





Herzlichen Glückwunsch… Die längste Friedensperiode der deutschen Geschichte!

8 05 2008

Ihnen ist bestimmt auch so friedlich zu Mute wie mir, nicht wahr? Das liegt daran, dass wir seit Adolfs Aktionismus der turbulenten Expansionspolitik den Rücken gekehrt haben. Sowas kostet ja Geld und auch Nerven.

Diese geradezu typisch deutsche Friedfertigkeit äußert sich auch in der immer wieder geäußerten Behauptung, wir würden ja nun in der friedlichsten Zeit seit Menschengedenken leben. Das ist natürlich wie überall sonst auch eine Frage der Betrachtungsweise: Nur weil heutzutage traditionelle Kriege nur noch fünf Prozent aller bewaffneten Konflikte ausmachen, heißt das ja nicht, dass allen Menschen auf einmal Engelsflügel gewachsen sind.

Im Internet und auch im wirklichen Leben trifft man auch häufig auf die damit zusammenhängende Behauptung, wir hätten ja das Glück, in der längsten Friedensperiode der deutschen Geschichte zu leben. Das ist, mit Verlaub, nicht ganz richtig. Beziehungsweise erst seit heute richtig. Denn: Die längste Friedensperiode der deutschen Geschichte war von 1555 (das war der Augsburger Religionsfrieden - Kurzform: Katholiken und Protestanten hatten sich gegenseitig abgeschlachtet, damit war jetzt Schluss) bis 1618 (Beginn des Dreißigjährigen Krieges - Kurzform: Katholiken und Protestanten beschlossen, sich wieder gegenseitig abzuschlachten). Dazwischen lagen 63 Jahre.

Wie wir ja wissen, endete der Weltkrieg (Runde zwei) am 8.5.1945 des Nachts. Damit liegen zwischen dem heutigen Tag und dem Ende des Krieges genau 63 Jahre. Feiern Sie also nun, liebe Deutschinnen und Deutsche, dass wir es geschafft haben, unseren Friedensrekord zu übertreffen! Wir sind die friedlichste deutsche Generation seit 1555! Wir sollten uns dafür selbst einen Orden verleihen, zum Beispiel das friedfertige Eiserne Kreuz. Oder so.

Da wir den Rekord ja nun gebrochen haben, können wir wieder irgendwem den Krieg erklären. Wer bietet sich denn da an? Die Franzosen? Das wäre langweilig und wenig innovativ. Die Briten? Hatten wir auch schon. Und da verlieren wir auch immer. Die Polen? Das wäre doch mal eine Möglichkeit, die scheinen das ja ohnehin schon seit Jahren zu erwarten…

Wobei man ja sagen muss, dass es politisch sinnvoller wäre, in Liechtenstein einzumarschieren, um “mit diesem Steuerrrrparrradies endgültig abzurrrrechnen!!!!”, wie Adolf es ausdrücken würde, wenn er denn noch könnte. Er kann ja aber nicht mehr.

Wen nehmen wir denn dann als Führer? Die Merkel…?!

Vielleicht erobern wir Liechtenstein doch lieber auf anderem Wege…

Unwort des Tages: Friedensperiode.