Von schwulen Zwergen und blasenden Walen - ein linguistischer Artikel

16 07 2008

Erschreckend wenige Menschen befassen sich wirklich bewusst mit dem, was sie die meiste Zeit des Tages tun: reden. Sie nehmen einfach so hin, dass sie den Mund aufmachen und da dann unsinnige Laute herauskommen, die, klebt man sie in Gedanken zu Strukturen zusammen, mehr oder weniger Sinn ergeben. Sie nehmen einfach so hin, dass ein Mensch, der möglicherweise nur eine Straße weiter wohnt, eine komplett andere Sprache spricht und nicht ein einziges Wort verstehen würde, wenn Sie hingingen und ihm einen Heiratsantrag machten (oder, etwas handfester, für die männlichen Leser: … ihm mit dem Tode drohten).

Lassen Sie sich gelegentlich mal fallen, liebe Leser, und schauen Sie sich an, was Sie da eigentlich den ganzen Tag lang reden. Achten Sie mal nicht auf den Inhalt der Sätze, die Sie verzapfen, da werden Sie nämlich bekloppt. Ich kenne das.

Achten Sie mal auf so Kleinigkeiten.

Zum Beispiel das, was der Brite so schön compounding nennt. Also das unmotivierte Aneinanderkleistern von Nomina, so dass die einen neuen Sinn ergeben. Zum Beispiel Handschuh. Ein Schuh für die Hand. Ist doch sinnig, oder? Leuchtet jedem sofort ein.

Die meisten dieser Wörter sind aber gar schrecklich zweideutig, wenn Sie es nur so wollen! Der Schreibtisch, zum Beispiel. Gar ein intelligentes Möbelstück?

Oder der Schreibtischtäter - ein sexueller Perversling mit einem Fetisch für hölzerne Unbeweglichkeit?

Und was für eine Art Wicht ist eigentlich ein Gleichgewicht? Ein Gleich-Geh-Wicht, also ein schwuler Zwerg? Oder einer, der gleich wieder geht, nachdem er gekommen ist, also ein sexfixierter Zwerg? Den Rest des Beitrags lesen »





Überraschung in Schnickenhagen: Unbekanntes Blog mit “Heimatloser Katze” geehrt

2 06 2008

Beim internationalen Blogfestival in Schnickenhagen an der Moosalb (Rheinland-Pfalz) ist das Weblog “Das Unwort” anlässlich seines ersten Geburtstages überraschend mit dem Sonderpreis “Heimatlose Katze” für das unsinnigste Blog ausgezeichnet worden. Während des offiziellen Festaktes in der Markthalle im Stadtzentrum würdigte Festivaldirektor Gandalf Grantel das bisher weitgehend unbekannte Blog als “Beitrag gegen die ausufernde Zielstrebigkeit in unserer Gesellschaft.” Das Blog sei ein Beweis dafür, dass auch im größten Chaos immer etwas Gutes enthalten sei.
“Dem Autor gebührt unser aller Dank dafür”, führte Grantel in seiner Laudatio aus, “dass er den Mut und den unerschütterlichen Willen hat, uns durch das Eingestehen seiner eigenen Fehlbarkeit, ja gelegentlich gar Untalentiertheit einen Spiegel vorzuhalten und uns so klar zu machen, dass nur durch das Erkennen der eigenen Schwäche die Kraft entsteht, die uns Fähigen die Möglichkeit gibt, Gutes für uns, mit uns und von uns zu tun.”
Bastian Kruse freut sich über die AuszeichnungBlogautor Bastian Kruse zeigte sich über die unerwartete Ehrung überrascht: “Unverhofft kommt oft”, rief er der versammelten Presse zu und knirschte fröhlich mit den Zähnen.
Der undotierte Sonderpreis “Heimatlose Katze” wird in jedem dritten Jahr beim internationalen Blogfestival in Schnickenhagen an der Moosalb vergeben. Der undotierte Preis erfreut sich in der Bloggerszene einer großen Beliebtheit, zeugt er doch von der Tatsache, dass die Kunstszene die Bloggerwelt zumindest teilweise als Teil ihrer selbst anerkennt.
Auf die Frage, ob die Trophäe zuhause einen Sonderplatz bekommen wird, wollte Kruse nach dem Festakt keine Antwort geben. An der Pressekonferenz konnte der bisher unbekannte Blogautor und erfolglose Latinistik-Student offiziell “aus gesundheitlichen Gründen” nicht teilnehmen.
Das internationale Blogfestival wird am morgigen Dienstag mit einem feierlichen Entenrennen zuende gehen. Als Ehrengäste erwartet werden unter anderem Ottilie Obenohn (CDU), die Bürgermeisterin von Schnickenhagen, und René Zellulit, der Präsident des Verbandes rheinland-pfälzischer Hausärzte.





Antrag auf Abschaffung zwischenmenschlich-positiver Emotionen

1 04 2008

Das irdische Individuum Bastian J. Kruse,

erkennend, dass das Vorhandensein von Emotionen, die sich auf eine positive Weise an ein beliebiges Individuum der Art “homo sapiens” richten, das Leben auf dem Planeten Erde für alle Individuen jener Art unnötig schwierig gestaltet,

wissend, dass es viele Individuen gibt, die eben Erwähntes zwar wissen, es jedoch konsequent verdrängen,

von dem Gedanken beseelt, sowohl jene Individuen von ihren Irrtümern zu erlösen als auch das Leben auf dem Planeten Erde zu vereinfachen,

betonend, dass das Vorhandensein solchartiger zwischenmenschlicher Emotionen im Laufe der Geschichte schon zu Millionen gewaltsamer Konflikte geführt hat und aller Voraussicht nach noch führen wird,

der Überzeugung Ausdruck verleihend, dass sich die Art “homo sapiens” auch ohne solche Emotionen wird fortpflanzen können,

der weiteren Überzeugung Ausdruck verleihend, dass, falls letzteres nicht der Fall sein sollte, es dem Planeten Erde und der darauf hausenden Flora und Fauna durchaus zum Guten gereichte, Den Rest des Beitrags lesen »





Wie man einer Katze eine Pille verabreicht

3 12 2007

Katze1. Katze aufheben und wie ein Baby halten. Zeigefinger und Daumen der rechten Hand jeweils an die Seiten des Mauls plazieren und sanften Druck ausüben, während man die Pille in der rechten Hand hält. Sobald die Katze das Maul aufmacht, Pille ins Maul fallen lassen. Lassen sie die Katze das Maul schließen und schlucken.

2. Heben Sie die Pille vom Boden auf und holen Sie die Katze hinter dem Sofa hervor. Halten Sie die Katze auf dem linken Arm und wiederholen Sie den Vorgang.

3. Holen Sie die Katze aus dem Schlafzimmer und schmeißen Sie die nasse Pille weg.

4. Nehmen Sie eine neue Pille aus der Folie. Halten Sie die Katze im linken Arm und halten Sie die Hinterpfoten mit der linken Hand fest. Drücken Sie den Kiefer auf und schieben Sie mit dem rechten Zeigefinger die Pille in den Rachen. Halten Sie das Maul für 10 Sekunden zu.

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ICH WILL ABER!!!!! - Kinderschicksal in der Antike

16 11 2007

Noch ein Artikel über die Jugend. Diesmal allerdings kein Artikel über die Jugend von heute, sondern einer, der Ihnen mal ganz pragmatisch die Probleme der Kindeserziehung in der Antike aufzeigt.

Das Zitat unten ist der glücklicherweise erhaltene Brief des kleinen Theon an seinen gleichnamigen Vater, geschrieben wohl im zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus, irgendwo in den Wüstenländschaften Ägyptens. Gefunden hat man den Papyrus in Oxyrhynchos (das ist keine ansteckende Krankheit, sondern eine antike Stadt in Ägypten).

“An Theon von seinem Sohn Theonchen. Theon grüßt seinen Vater Theon. Das hast Du toll gemacht. Nicht mitgenommen hast Du mich mit die in die Stadt. Wenn Du mich nicht mit Dir nach Alexandria nehmen willst, dann schreibe ich die keinen Brief und spreche nicht mit Dich und wünsch Dich nicht Gesundheit. Wenn du mich nicht mitnehmen willst, wird es so. Und Mama hat zu Archelaos gesagt: „Er macht mich nervös, nimm ihn weg.“ Aber das hast Du schön gemacht, Geschenke hast Du mir geschickt, und was für große! Sie haben mich an jenem Tag ausgetrickst, am 12., als Du Dich eingeschifft hast. Also schicke jetzt nach mir, ich bitte Dich! Wenn Du nicht schickst, dann esse und trinke ich nichts. So! Ich wünsche Dir Wohlergehen. Am 18. Tybi.”

Sie sehen, an den Konflikten zwischen Kindern und ihren Eltern hat sich in den letzten 1800 Jahren nicht sonderlich viel geändert. Neu ist nur die “Stille Treppe” (und der Beruf der Fernseh-Diplom-Pädagogin).





Rowlings mutiges Outing

22 10 2007

Nun wissen wir etwas, was viele von uns gar nicht wissen wollen: Albus Dumbledore, Harry Potters liebster Lieblingslehrer, der seiner blutrünstigen Autorin zum Opfer fiel (also ersterer), war schwul. Das verkündete Frau Rowling während einer Lesung in den USA. Als sie den Satz gesagt hatte, wurde es ihm Saal schlagartig still. Und dann gab es stürmischen Beifall.

Da hat sie Glück gehabt, schließlich kann man in den USA und auch überall sonst für solcherlei unchristliches Verhalten gehetzt, geschlagen oder gesteinigt werden (letzteres eher im Iran, wo das Problem der Christlichkeit zwar nachrangiger Natur ist, man sich aber gerne auf den Koran, oder nein, die Scharia beruft).

Kritik kam prompt und kommt sicherlich noch ziemlich lange. Unnötig sei das, sagen einige. Fundis aus der rechten Ecke sehen sich in ihren schlimmsten Vermutungen bestätigt, wie schlecht doch die Harry-Potter-Bücher für die Jugend seien. So viel Zauberei. Und gar keine Religion. Und nun auch noch “Homo-Propaganda”, wie kreuz.net es ausdrücken würde… Das ist zuviel. Harry müsste verboten werden. An einigen Schulen ist es das auch schon.

Mutig ist sie, die Frau Rowling. Und tut mit dieser Geste, denn das ist es, einen großen Schritt in Richtung Aufklärung. Die ist ja auch noch gelegentlich notwendig, was die Homosexualität angeht. Nicht nur in den USA, übrigens. Deswegen ist es besonders spannend, die Reaktionen der Presse und der Menschen auch hierzulande zu sehen. Mal sehen, wie sich das so entwickelt.

Mein persönliches Fazit jedenfalls: Gut gemacht, Frau Rowling. Sehr pädagogisch. Wen wundert’s, schließlich ist sie mal Lehrerin gewesen.

Unwort des Tages: Homo-Propaganda.





Peter Maffay verursacht Chlorgasunfall in Frankfurt

5 10 2007

… oder wie soll ich diese Meldung von Google News sonst verstehen? (kein Fake!) Chlorgas





Nackte Kamele haben lange Schwänze

4 09 2007

Dieser Beitrag hat überhaupt nichts mit Kamelen zu tun und spielt auch nicht auf metaphorische Weise auf den Körperbau von Menschen an, die auf der arabischen Halbinsel wohnen.

Es geht bei diesem Beitrag darum, die Besucherzahlen dieses Blogs zu erhöhen. Und das, ohne auf irgend eine Weise indiziert oder verboten zu werden. Das ist gar nicht so einfach, ich möchte es aber trotzdem mal versuchen.

Es folgt ein Abstecher in die bilderreiche Welt der Geographie:

Der steifste Busen der Welt ist der Bottnische Meerbusen. Das ist der nördliche Ausläufer der Ostsee, der sich zwischen dem stämmigen Finnland und dem gemütlichen Schweden befindet. Steif ist der große Meer-Busen deshalb, weil er viele Monate im Jahr zugefroren ist. Den Rest des Beitrags lesen »





Herzlichen Glückwunsch… Ubaldo Allucingoli!

1 09 2007

Ubaldo Allucingoli ist nicht die neue Nudelsoße aus dem Hause Barilla, nein, Ubaldo Allucingoli war ein äußerst bedeutsamer, eloquenter, intelligenter, sapienter, kongruenter, reninenter Italiener. “Warum müssen wir ihm an dieser Stelle huldigen?”, mag sich der kundige Leser fragen.

Ich verrate es Ihnen: Ubaldo Allucingoli, und jetzt halten Sie sich fest, war mal Papst. Und zwar vom 1.9.1181 bis zum 25.11.1185. Dass er vom heutigen Standpunkt aus gesehen weitgehend bedeutungslos ist, ist ja an dieser Stelle wurscht. Also: Herzlichen Glückwunsch, Ubaldo Allucingoli, zu deinem 826sten, ähhhm, Thronjubiläum.

Ubaldo Allucingoli wusste trotz seiner wohl etwa 85 Jahre zum Zeitpunkt seiner, ähhm, Thronbesteigung, dass er mit dem Namen Ubaldo Allucingoli unmöglich Papst werden konnte. Das ist unter mächtigen Potestaten wohl so Usus, sich einen neuen Namen zuzulegen. Adolf Schicklgruber wusste ja auch schon ziemlich früh, dass er mit dem Namen Hitler viel weiter kommen würde als mit seinem rechtmäßigen Nachnamen…

Wenden wir uns mit Grausen vom übergeschnappten Österreicher ab und dem greisen Italiener zu, der sich also mit letzter Kraft die Papstmütze aufstülpte. Und flugs den Namen Lucius III. annahm. Was ihn nicht davor bewahrt hat, von unserer Generation komplett vergessen zu werden.

Man muss natürlich zugeben: In den vier Jahren seiner Herrschaft hat Herr Allucingoli augenscheinlich auch nicht sonderlich viel vollbracht, sagen die einschlägigen Nachschlagewerke. Seine bemerkenswerteste Leistung besteht wohl darin, die Bevölkerung Roms derart gegen sich aufgebracht zu haben, dass er nicht im Lateranpalast verpapstet werden konnte. Seine zweitgrößte Leistung besteht darin, sich dem kollektiven Geschichtsgedächtnis meisterlich-geisterhaft zu entziehen.

Durch diesen kleinen Text haben wir also seine Leistung angemessen gewürdigt und wenden uns nun den wichtigen Dingen des Lebens zu. Dazu besuchen Sie am besten eine beliebige andere Internetseite.

Unwort des Tages: Papstmütze.





Katzen in Wald und Flur oder Oscar weiß Bescheid.

31 08 2007

Der Duden hat ja nun beschlossen, dass auf einem standesgemäßen Blog unbedingt Katzenbilder zu sehen sein müssen. Dem habe ich nun schon nachgegeben; zur Sicherheit bringe ich hier aber noch mal eine kleine Katzengeschichte. Man weiß ja nie.

Die Welt teilt sich in Katzenfreunde, Katzenhasser und Katzen-nicht-Kenner. Ich vermute, dass sich erstere ungefähr die Waage halten, während es von letzteren nicht sonderlich viele gibt, schließlich finden sich inzwischen auf jedem Kontinent dieser Welt katzenartige Raubtiere. Felidae, wie der Biologe sagt.

Der typische Katzenfreund ist eine alleinstehende Frau von etwa 60 Jahren, deren einziges Hobby im Päppeln ihres Vierbeiners besteht (der dann auch dementsprechend aussieht); der typische Katzenhasser ist der vor Testosteron beinahe explodierende Mittdreißiger, der als formvollendeter Frauenheld Katzen wegen des wissenden “Jaja-becirce-du-nur-mein-Frauchen-ich-wette-mit-dir-dass-sie-dich-vor-die-Tür-setzt-
bevor-ich-das-nächste-Mal-Junge-bekomme”-Blicks nicht leiden kann. Der typische Katzen-nicht-Kenner ist ein beliebig alter Inuit beliebigen Geschlechts. Den Rest des Beitrags lesen »